«Ich werde Trump sagen, wie wichtig die Schweiz für die USA ist»

Blick - 22.01.2018

Blick: Herr Berset , Sie sind hier am WEF in Davos und werden den US-Präsidenten Donald Trump treffen. Was bedeutet das für Sie?

Alain Berset : Das ist vor allem eine gute und wichtige Gelegenheit, mit dem amerikanischen Präsidenten in Kontakt zu kommen. Ihn kennenzulernen. Erst wenn man jemanden persönlich getroffen hat, weiss man wirklich, mit wem man es zu tun hat.

Sind Sie wegen des Treffens mit Trump nervös?

Nein, warum auch. Ich freue mich auf das Gespräch, das wird sicher spannend. Aber ich werde am WEF noch viele andere wichtige und mächtige Menschen treffen.

Was werden Sie Präsident Trump sagen?

Ich werde Präsident Trump sagen, dass die kleine Schweiz für sein Land wichtig ist. Man vergisst ja gerne, dass die Schweiz der fünftgrösste Direktinvestor ist. Wir schaffen direkt eine halbe Million Arbeitsplätze.

Sie sind nicht nur Bundespräsident, sondern auch Kulturminister und haben vor dem WEF Ihre Amtskollegen aus Europa nach Davos eingeladen, um im Jahr des Kulturerbes über Baukultur zu reden. Was nehmen Sie mit ans WEF?

Die grosse Begeisterung für das Thema bei den Kulturverantwortlichen aus über 30 Ländern. Diese will ich in die WEF-Gespräche einbringen.

Warum haben Sie ausgerechnet die Baukultur thematisiert?

Es ist nicht egal, wie gebaut wird und in welcher Art von Gebäude wir wohnen und arbeiten. Baukultur ist Erbe und Zukunft zugleich. Sie bestimmt unser Leben, wie wir unsere Landschaft und unsere Städte organisieren, letztlich unsere Lebensqualität. Ein Neurowissenschaftler hat uns demonstriert, dass man messen kann, wie ein Gebäude, in dem wir uns befinden, unsere Denkstruktur verändert.

Muss sich der Staat um Baukultur kümmern? Bauen tun Private und Unternehmen.

Die Politik muss den Rahmen setzen. Und das Bewusstsein dafür schaffen, dass es gute und weniger gute Bauten gibt. Dabei geht es nicht um schön oder nicht schön, sondern um den Einfluss, den das Bauen auf unser Leben hat. Es gibt Gebäude, in denen man sich wohlfühlt und gern arbeitet – und andere.

Was, neben der Baukultur, macht für Sie das kulturelle Erbe in der Schweiz aus? Gibt es das überhaupt in unserem viersprachigen Land?

Ja sicher! Dass die Schweiz nicht eine Kultur hat, sondern viele Kulturen, das ist ein Reichtum und ein Glück. Die Vielfältigkeit macht die Schweiz aus und mit ihr identifizieren sich die Leute in diesem Land. Auch die Vielsprachigkeit ist ein kulturelles Erbe in diesem Land.

Die Mehrsprachigkeit ist aber bedroht, weil Englisch in der Schule die zweite Landessprache verdrängt. Sehen Sie sich als Verteidiger des Kulturerbes, wenn Sie den Kantonen mit Bundesmassnahmen im Sprachenstreit drohen?

Die Bundesverfassung gibt klar den Landessprachen Priorität. Das haben die Kantone auch selber so festgelegt, und das Stimmvolk hats bestätigt. Ich habe nur daran erinnert. Und seither ist es auch wieder ruhiger geworden.

Kulturpflege ist heute in der Schweiz Sache der Kantone und Gemeinden. Muss der Bund mehr eingreifen?

Wir sollten Bund, Kantone und Gemeinden nicht gegeneinander ausspielen. Die Hauptverantwortung liegt bei den Kantonen und Gemeinden. Der Bund hat nur wenige Kompetenzen, wie bei der Filmförderung. Wir haben die Aufgaben koordiniert, und das funktioniert heute hervorragend.

Der Bund vergibt auch Preise – wie jetzt gerade für Literatur – und konkurrenziert damit lokale Literaturauszeichnungen und private Initiativen, wie den Buchpreis der Buchbranche. Müsste man nicht einen Preis streichen?

Hmm, welchen denn? Diese Politik der Kulturpreise war ein Wunsch und Auftrag von Bundesrat und Parlament vor meiner Zeit als Bundesrat. Es hat Platz für mehrere Preise, die auch nach unterschiedlichen Kriterien verliehen werden, für ein einzelnes Buch oder ein ganzes Lebenswerk. Von Jurys übrigens, die völlig unabhängig entscheiden und keinerlei Rücksicht auf den Bund nehmen. Und für die Kulturschaffenden sind sie wichtig, nicht nur als Anerkennung, sondern manchmal geradezu überlebenswichtig.

Braucht es für die Kulturförderung in der Schweiz auch mehr Anreize, zum Beispiel Steuerabzüge wie in den USA für Mäzene, die Theater, Kunst oder Literatur unterstützen?

Es gibt viele Leute, die das heute schon ohne finanzielle Anreize tun. Schauen Sie nur nach Basel. Was wäre das für eine Welt, wenn man die Kultur nur noch unterstützt, wenn man dafür finanziell profitiert.

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Letzte Änderung 23.01.2018

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