«Designerkinder bleiben verboten»

20 Minuten - 21.05.2015

Hans-Jörg Hofer, Luzern fragt: Besteht nicht die Gefahr, dass mit viel Geld die elitäre Schicht weiter hochgezüchtet werden kann?

Bundesrat Alain Berset: Die PID hat überhaupt nichts mit Züchten zu tun. Es geht keineswegs um Designerkinder: Das ist und bleibt mit der Verfassungsänderung verboten.

Nik Egloff, Bern fragt: Laufen Paare, die trotz der Möglichkeit der PID sich gegen einen solchen Test entscheiden und danach ein Kind mit einer Behinderung bekommen, nicht Gefahr von der Gesellschaft verachtet zu werden?

Heute sind 90% der Menschen mit Behinderung nicht wegen einer genetischen Belastung behindert. Die Integrationspolitik für Menschen mit Behindergung sind wir momentan weiter am Intensivieren. Die Menschen mit Behinderung sind und werden weiterhin ein wichtiger und wertvoller Bestandteil unserer Gesellschaft sein. Es besteht kein Zusammenhang mit der Abstimmung: Mit einem Ja am 14. Juni würden die betroffenen Paare nur die Möglichkeit bekommen, selbst und gänzlich freiwillig zu entscheiden, ob sie die PID in Anspruch nehmen wollen oder nicht.

Peter Stoffel, Rorschach fragt: Um wie viele Prozent steigen die Krankenkassen-Prämien, wenn die Präimplantationsdiagnostik durchkommt?

Die Krankenkassenprämien würden nicht steigen: Wie bei der künstlichen Befruchtung müssen die betroffenen Paare die Kosten selber übernehmen.

Jonathan Berger, Jona fragt: Wer übernimmt die Kosten für diese Tests?

Wie es heute bei der künstlichen Befruchtung der Fall ist, würden die betroffenen Paare die gesamten Kosten übernehmen. Wir gehen davon aus, dass eine PID in der Schweiz 5000 bis 10'000 Franken kosten würde.

Tamara H., Luzern fragt: Wie wird sichergestellt, dass solche Untersuchungen nicht missbraucht werden, um beispielsweise die Augenfarbe festzulegen?

Diese Diskussion ist auch im Parlament geführt worden und für alle war klar: Das ist heute verboten und bleibt mit der Änderung der Verfassung weiterhin klar verboten. 

Selina, Zürich fragt: Was passiert mit den nicht benützten Embryos?

 Embryos, die nicht Träger von schweren Erbkrankheiten sind oder eine gute Entwicklungsfähigkeit erwarten lassen, können für eine allfällige spätere Behandlung eingefroren werden. Die anderen Embryonen werden vernichtet.

Buddy-Lee Simonini, Hermrigen fragt: Welche Krankheiten könnten mittels Präimplantationsdiagnostik vorzeitig erkannt werden?

Was untersucht werden kann, bleibt stark begrenzt. Erlaubt ist nur, den Embryo auf schwere Erbkrankheiten zu untersuchen -alles andere bleibt verboten und wäre strafbar. Das heisst, dass die Krankheit mit hoher Wahrscheinlichkeit vor dem 50. Lebensjahr ausbricht und es für sie keine zweckmässige und wirksame Therapie gibt. Das betroffene Paar muss dem Arzt gegenüber geltend machen, dass es sich ein Kind mit einer solchen Veranlagung nicht zumuten kann.

Vreni Herger, Bauen fragt: Können Sie es mit Ihrem Gewissen vereinbaren, so viele Babys zu töten, um den perfekten Menschen zu erzeugen?

Ich hätte hier eine Gegenfrage: Wie stehen Sie zum Schwangerschaftsabbruch?Bei der PID geht es primär darum, gewissen Eltern die Möglichkeit zu geben, Embryonen auf schwere Erbkrankheiten zu untersuchen. So kann viel Leid verhindert werden. Diese Untersuchung erfolgt viel früher als bei einem pränatalen Test.

Thomas Hofer, Bern fragt: Der Mensch bestimmt also zukünftig, welche Art von Mensch Leben darf?

Nein, der Sinn der PID ist, Schwangerschaften auf Probe zu verhindern. Denn heute können die Tests, ob eine schwere Erbkrankheit weitergegeben wurde, erst während der Schwangerschaft gemacht werden. Das stellt dann das Paar vor die schwierige Frage, ob es die Schwangerschaft abbrechen will. Diese Paare sollen die Möglichkeit erhalten, sich diese Entscheidung zu ersparen. Jedes betroffene Paar kann selbstverständlich frei entscheiden, ob es die PID anwenden möchte oder nicht.

Dean Gasset, Schaffhausen fragt: Herr Berset, halten Sie es nicht für verwerflich, dass im Labor entschieden wird, ob ein Leben lebenswert ist oder nicht?

Es ist nicht das Labor, das entscheidet. Die Abklärungen sind absolut freiwillig und die Eltern entscheiden. Es geht bei der PID darum, abzuklären, ob ein Kind die schwere Erbkrankheit der Eltern vererbt bekäme und unter Umständen früh sterben würde. Diesen Paaren möchten wir es ermöglichen, ein Kind zu bekommen, das ohne diese Belastung zur Welt kommt. Kommt dazu, dass die Alternative eine Schwangerschaft auf Probe wäre und zu einem Schwangerschaftsabbruch führen könnte.

Letzte Änderung 21.05.2015

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