Wahlhilfe in leichter Sprache

Projektziel und Zielgruppe

Hauptziel des Projektes war es, eine Broschüre mit Informationen in leichter Sprache in Deutsch, Französisch und Italienisch zu den eidgenössischen Wahlen 2019 zu erstellen. Diese Broschüre sollte einen möglichst hohen Anteil der Zielgruppe erreichen und es diesen Personen ermöglichen, informiert an den eidgenössischen Wahlen vom 20. Oktober 2019 teilzunehmen. Die Zielgruppe umfasst erwachsene Personen mit geistiger Behinderung und Schweizer Bürgerrecht.

Wie hilft dieses Projekt?

Die innerhalb des Projekts erarbeitete Broschüre «Wahlhilfe in leichter Sprache», ermöglichte es wahlberechtigten Personen, die die offiziellen Informationen nicht verstehen, an den Wahlen teilzunehmen und damit politisch zu partizipieren. Durch Öffentlichkeitsarbeit wurde die Gesellschaft für das Thema «Wahlrecht von Menschen mit Behinderung» sensibilisiert und auf die Problematik verständlicher Informationen aufmerksam gemacht. An regionalen Wahlgesprächen kamen Kandidatinnen und Kandidaten verschiedener Parteien mit Menschen mit geistiger Behinderungen in Kontakt und wurden für deren Anliegen sensibilisiert. Die einbezogene Arbeitsgruppe machte sich vertiefte Gedanken zur politischen Partizipation und zur verständlichen Kommunikation von Wahlinformationen. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe können ihre Erfahrungen in anderen Kontexten als Ressource zur Verfügung stellen.

Was hat dieses Projekt erreicht?

  • Broschüre in leichter Sprache, die die Zielgruppe erreicht: Die hohe Qualität der Broschüre wurde geschätzt. Nach einer erster Lieferung gingen bereits viele Nachbestellungen ein.
  • Sensibilisierung der Öffentlichkeit durch Medienarbeit: Die Wahlhilfe in leichter Sprache erhielt ein grosses Medienecho in der deutschsprachigen und französischsprachigen Schweiz.
  • Die Inputs aus dem regionalen Wahlgespräch konnten gewinnbringend in das Projekt eingebracht werden und haben den Projekterfolg massgebend beeinflusst.
  • Arbeitsgruppe: Die Zusammenarbeit in der Arbeitsgruppe war sehr fruchtbar, mit vielen neuen Erkenntnissen. Die Mitglieder können ihre Erfahrungen für ähnliche Folgeprojekte zur Verfügung stellen.

Beispiel

Andreas Rubin, Mitglied der Arbeitsgruppe im insieme Magazin 2019-4: «Ich habe dieses Jahr mit Hilfe der Wahlhilfe und der Unterstützung meiner Beiständin gewählt. Wir waren nicht ganz einer Meinung und daher habe ich etwas anders gewählt als sie. Die Wahlhilfe war sehr hilfreich. Dank der einfachen Erklärung ging es mir leichter, den Wahlzettel auszufüllen. Angehörige und Beistände denken teilweise, dass Betroffene nicht wählen können und nehmen ihnen die Wahlunterlagen weg. Sie denken, dass Menschen mit einer geistigen Behinderung ihre Stimme nicht abgeben können. Jeder Mensch ist gleichwertig und sollte wählen können. Ich hätte mir mehr Bilder gewünscht, da ich Mühe beim Lesen habe. Meine Sehkraft ist stark eingeschränkt. Die Wahlhilfe gibt jedem die Freiheit sein Wahlrecht wahrzunehmen. Ganz unabhängig von anderen. »
Andreas Rubin kommt auch im Artikel «Wahlrecht wird Tausenden verwehrt» der Luzerner Zeitung vom 14. Oktober 2019 zu Wort. Dank der Mitarbeit in der Arbeitsgruppe konnte er sich dort kompetent zum Thema «Wahlrecht» äussern.

Herausforderungen

Die Zusammenarbeit mit Büros für leichte Sprache in verschiedenen Sprachräumen und die parallele Produktion von drei Sprachvarianten in kurzer Zeit war sehr aufwändig. Dies liegt unter anderem daran, dass es noch keine verbindlichen Standards für die leichte Sprache gibt und viele Entscheidungen in jeder Sprache einzeln gefällt werden mussten.
Es ist herausfordernd, die Zielgruppe genau abzugrenzen und direkt zu erreichen. Die Broschüre richtete sich zwar an Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung, wurde aber auch von Personen mit Leseschwäche sehr geschätzt.
Die grösste Herausforderung in der Zukunft ist die Trägerschaft und Finanzierung von Folgeprojekten. Aus Sicht der Projektträger ist der Bund in der Pflicht, Informationen zu Wahlen und Abstimmungen bereitzustellen, die auch Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung verstehen können. Für insieme Schweiz und easyvote ist klar, dass die Schweiz die Vorgabe der Behindertenrechtskonvention einhalten muss: Wer wahl- und stimmberechtigt ist, muss auch Zugang zu verständlichen Informationen über die Wahlen und Abstimmungen haben.

Trägerschaft

Trägerschaft: insieme Schweiz und easyvote
Projektregion: ganze Schweiz
Laufzeit: Februar – November 2019
Finanzierung: Projektunterstützung EBGB, Beiträge nach Art. 74 IVG, eigene Mittel
Kontaktperson: Samuel Steiner, insieme Schweiz, ssteiner@insieme.ch
Webseite: www.insieme.ch/wahlen

Foto von Jan Habegger: Projektleiter des Projekts: Wahlhilfe in leichter Sprache.
Jan Habegger: Projektleiter von Wahlhilfe in leichter Sprache

Letzte Änderung 07.05.2020

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