S&B - Sexualität selbstbestimmt leben mit Beeinträchtigung

Für junge Menschen mit Beeinträchtigung haben digitale Medien grosses Potenzial, aber es mangelt an barrierefreien Informations- und Kennenlern-Angeboten zum Thema Sexualität und Behinderung.

Projektziel & Zielgruppe

Das Hauptziel des Pilotprojekts bestand in der Förderung eines selbstbestimmten Sexuallebens von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Beeinträchtigung. Hierfür stehen bedarfs- und bedürfnisorientierte Unterstützungs-Angebote zur Verfügung.

Im Fokus standen Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 12 bis 25 Jahren mit einer physischen, sensorischen, psychischen und/oder kognitiven Beeinträchtigung. Deren Eltern oder Angehörige, Lehrpersonen der besonderen Volksschule, Fachpersonen in sozialen Einrichtungen sowie Fachorganisationen als Kooperationspartner zählten zur erweiterten Zielgruppe.

Wie hilft dieses Projekt?

Um die Angebotslücke in Bezug auf sexuelle Bildung und Beratung für Menschen mit einer Beeinträchtigung zu verringern, hat die Stiftung Berner Gesundheit ein vierjähriges Pilotprojekt durchgeführt.

Die Bedürfnisse von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit einer kognitiven, psychischen, sensorischen und/oder physischen Beeinträchtigung wurden erhoben. Weiter wurde der Unterstützungsbedarf in deren Umfeld sowie die Zusammenarbeit im System beleuchtet. Die umfangreiche Erhebung dient als Grundlage für die Entwicklung von bedarfs- und bedürfnisorientierten Angeboten zum Thema Sexualität. Ein wichtiges Fazit aus der Studie ist: Für junge Menschen mit Beeinträchtigung haben digitale Medien grosses Potenzial, aber es mangelt an barrierefreien Informations- und Kennenlern-Angeboten.

Was hat dieses Projekt erreicht?

  • Eine Begleitgruppe mit 13 Teilnehmenden wurde gegründet. Sie war divers zusammengesetzt und hat das Pilotprojekt begleitet.
  • Die Bedürfnisse der Jugendlichen/jungen Erwachsenen mit Beeinträchtigung wurden erhoben. Dies insbesondere in den Themen Sexualerziehung, sexuelle Grenzen, Freund/Freundin kennenlernen sowie digitale Medien.
  • Aufgrund der Ergebnisse der Bedürfniserhebung wurden bestehende Angebote der sexuellen Bildung und Beratung weiterentwickelt und in der Praxis erprobt. Der Bedarf an weiteren Angeboten wurde aufgezeigt.
  • Der Zugang zu den Angeboten wurde auf die Gleichberechtigung und Barrierefreiheit hin überprüft. Einzelne Massnahmen wurden umgesetzt.
  • Sexualpädagogische Methoden, Materialien sowie Literatur wurden geprüft und gezielt erweitert.
  • Die Fachkompetenz der Fachmitarbeitenden Sexualpädagogik der Berner Gesundheit wurde erweitert.
  • Kooperationen wurden auf- und ausgebaut.
  • Die Öffentlichkeit wurde über das Pilotprojekt informiert:
  • Wochengespräch im Radio Neo1.
  • Bericht auf Insieme Schweiz.
  • Basierend auf den Projektergebnissen wurde ein dreijähriges Folgeprojekt zum Thema «Sexualität & digitale Medien» lanciert. Das Ziel besteht darin, das Potential des Internets und der sozialen Medien für Jugendliche und junge Erwachsene mit einer Beeinträchtigung hinsichtlich einer selbstbestimmten Sexualität besser nutzen zu können. In Kooperation mit zwei Partnerinstitutionen werden Workshops zum Thema Sexualität und digitale Medien konzipiert, umgesetzt, ausgewertet und weiterentwickelt. Diese Workshops sollen vorwiegend Jugendliche und junge Erwachsenen mit einer körperlichen- sowie kognitiven Beeinträchtigung ansprechen. Zudem werden Angebote für Eltern/Angehörige sowie pädagogische Fachpersonen partizipativ entwickelt, durchgeführt und weiterentwickelt. Das Ziel dieser Angebote besteht in der Stärkung des Umfeldes hinsichtlich der Begleitung Jugendlicher/junger Erwachsenen im Thema Sexualität & digitale Medien.

Beispiel

Das Pilotprojekt hat zur Weiterentwicklung sowie Qualitätssteigerung der bestehenden Angebote geführt. So konnten zum Beispiel gegen 100 Jugendliche und junge Erwachsene mit einer Beeinträchtigung von unserem Angebot der schulergänzenden sexualpädagogischen Gruppengespräche profitieren. Sie konnten persönliche und intime Fragen klären, über die sie mit ihren Eltern oder den pädagogischen Fachpersonen lieber nicht (mehr) sprechen möchten. Einige Eltern/Angehörige sowie pädagogische Fachpersonen liessen sich zu Themen der Sexualerziehung beraten.

Das Pilotprojekt hat zudem zu einer Sensibilisierung der Öffentlichkeit auf die Thematik «Sexualität & Beeinträchtigung» beigetragen. Dies erfolgte durch regelmässige Information über das Projekt und die Veröffentlichung des Ergebnisberichts der Bedürfniserhebung. Aber auch die 13 Teilnehmenden der Begleitgruppe haben zur Sensibilisierung beigetragen, in dem sie Bindeglieder waren zu sozialen Einrichtungen, zu Eltern/Angehörigen, Behörden und den Jugendlichen/jungen Erwachsenen selbst.

Herausforderungen

  • Das Fundraising für die Projektfinanzierung war sehr zeitaufwändig.
  • Jugendliche/junge Erwachsene mit einer psychischen Beeinträchtigung sowie deren Eltern/Angehörige sind in der durchgeführten Bedürfniserhebung bei den Online-Befragungen sowie bei den Interviews untervertreten und die Hinweise auf deren spezifische Bedürfnisse fallen entsprechend gering aus. Mögliche Gründe hierfür wurden in Kapitel 2.3.2 des Ergebnisberichts genannt. Die dort geschilderten Erklärungshypothesen weisen auf weiteren Erhebungsbedarf hin.
  • Um die Bedürfnisse einer bestimmten Personengruppe möglichst präzise zu erheben, braucht es den direkten Einbezug dieser Menschen. Die bisherigen Interview- und Befragungstechniken sind nicht für die Erhebung der Bedürfnisse von Menschen mit einer mehrfachen Beeinträchtigung konzipiert. Hier besteht eine Lücke. Um diese zu schliessen, bedarf es der Erforschung und Entwicklung von adressatengerechten Erhebungstechniken.
  • Die dauerhafte Finanzierung von Angeboten der sexuellen Bildung und Beratung für Menschen mit einer Beeinträchtigung sowie deren Umfeld stellt auch in Zukunft eine zentrale Herausforderung dar.

Trägerschaft

Trägerschaft: Stiftung Berner Gesundheit
Projektregion: Kanton Bern
Laufzeit: 1.1.2018-31.12.2021
Finanzierung über Fundraising: EBGB, Ruth & Arthur Scherbarth Stiftung, Stiftung für kirchliche Liebestätigkeiten im Kanton Bern, Pro infirmis Kanton Bern, Rotary Club Bern, Procap Bern, Eigenleistungen der Stiftung Berner Gesundheit.
Kontaktperson: Patrick Kollöffel, patrick.kolloeffel@beges.ch
Webseite: www.bernergesundheit.ch   

Portrait von Patrick Kollöffel.
Projektleiter Patrick Kollöffel, Fachmitarbeiter Sexualpädagogik, Berner Gesundheit.

Letzte Änderung 18.05.2022

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