Wo finde ich statistische Angaben zu Rassismus in der Schweiz und in andern Ländern?

Heute erfassen unterschiedliche Institutionen rassistische oder diskriminierende Verhaltensweisen und Einstellungen:

  • Staatliche Organe erheben rechtliche relevante Handlungen, die zu einer Anzeige, einem Verfahren oder einer Verurteilung führen.
  • Medien und unabhängige Organisationen wie Beratungs- oder Beschwerdestellen berücksichtigen auch Vorfälle, die Justizorganen nicht zugetragen werden und möglicherweise auch nur Verdachtsmomente darstellen.
  • Repräsentative Umfragen decken das Beobachten relevanter Einstellungen in der Bevölkerung ab.

Der Bericht der Fachstelle für Rassismusbekämpfung «Rassistische Diskriminierung in der Schweiz» 2014 gibt in Kapitel 5 eine Übersicht über die Datenlage bezüglich Rassistischer Diskriminierung und Rassismus in der Schweiz.

Diskriminierung betrifft nicht alle Lebensbereiche gleich stark. Gemäss dem Bericht kommt sie bei der Arbeitssuche und im beruflichen Alltag besonders häufig vor. Auch bei der Wohnungssuche fühlen sich Ausländerinnen und Ausländer vielfach diskriminiert. Weniger Fälle von Diskriminierung werden hingegen auf Ämtern oder im Gesundheitswesen erfasst.

Als häufigste Form der Diskriminierung erweist sich verbaler Rassismus, und Benachteiligung durch Diskriminierung. Angriffe auf die körperliche Integrität treten relativ selten auf.

Die Art des Rassismus ist je nach betroffener Zielgruppe anders ausgeprägt: Zuschriften und die Verbreitung von Ton und Schriften scheinen besonders häufig einen antisemitischen Hintergrund zu haben. Männer sind häufiger von rassistischer Diskriminierung betroffen als Frauen, jüngere Personen häufiger als ältere.

Rechtsfälle

Rassistisch motivierte Taten, die in der Öffentlichkeit begangen wurden, können gestützt auf die Antirassismus-Strafnorm (Art. 261bis StGB bzw. Art. 171c MStG) geahndet und bestraft werden. Die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus EKR beobachtet und analysiert die Anwendung der Strafnorm. Sie publiziert auf ihrer Webseite eine allgemein zugängliche Zusammenstellung und Dokumentation der Rechtsprechung zu Artikel 261bis StGB ab 1995. Darin werden die Urteile der gerichtlichen Instanzen anonymisiert zusammengefasst. Interessierte haben die Möglichkeit, gezielt nach Einzelfällen zu suchen oder sich anhand der Auszählungen einen Überblick über die Rechtsprechungspraxis zu verschaffen.

Seit 2010 veröffentlicht das Bundesamt für Statistik die von allen Polizeicorps der Kantone und Städte einheitlich erhobene Polizeiliche Kriminalstatistik PKS, in der alle von der Polizei erfassten Anzeigen gemäss Strafgesetzbuch erfasst werden. 

Vorfälle / Ereignisse

Der Schweizerischer Israelitischer Gemeindebund SIG und die private NGO  Coordination Intercommunautaire Contre l'Antisémitisme et la Diffamation CICAD publizieren jährlich einen Bericht zu Antisemitismus in der deutschen bzw. der französischen Schweiz. Dabei ist zu beachten, dass die beiden Erhebungen unterschiedlich konzipiert sind, die Angaben also nicht vergleichbar sind.

Das Beratungsnetz für Rassismusopfer sammelt mit dem Dokumentations- und Monitoringsystem DoSyRa seit 2008 kantonsübergreifend Daten zu rassistischer Diskriminierung in der Schweiz. Es werden Daten von 26 Beratungsstellen zusammengetragen und jährlich in einem Bericht publiziert.

Der Bericht wird auf der Internetseite des Beratungsnetzes für Rassismusopfer, auf der Informationsplattform humanrights.ch und auf der Webseite der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus EKR publiziert.

Eine andere Übersicht ermöglicht die jährlich von der Gesellschaft Minderheiten in der Schweiz GMS und der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus GRA herausgegebene «Chronologie der rassistischen Vorfälle in der Schweiz».

Einstellungen

Die kulturelle Vielfalt stellt Herausforderungen an die Schweiz. Die Erhebung «Zusammenleben in der Schweiz» (ZidS) soll ein verlässliches Bild des Zusammenlebens verschiedener Gruppen der Gesellschaft zu zeichnen. Sie sammelt Informationen zur Akzeptanz, zur Ablehnung und zur Integration bestimmter Bevölkerungsgruppen. Dank der Erhebung können ausserdem gesellschaftliche Entwicklungen in Bezug auf Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Feindseligkeit – insbesondere gegenüber muslimischen, jüdischen und schwarzen Menschen – oder Diskriminierung verfolgt werden. Die erfassten Daten bilden die Grundlage für das Monitoring von gesellschaftlichen Veränderungen sowie für vertiefte Studien. Sie dienen der Politik zudem als Lenkungshilfe in den Bereichen Zusammenleben, Integration und Bekämpfung von Diskriminierung. 

Europa

Die FRA - Agentur der Europäischen Union für Grundrechte beobachtet und analysiert Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus, überwacht die Einhaltung des Nichtdiskriminierungsgrundsatzes und fördert Präventionsmassnahmen. Eine zentrale Aufgabe der FRA ist die Verwaltung und Auswertung der Daten aus dem europaweiten Informationsnetz FRANET.

https://www.edi.admin.ch/content/edi/de/home/fachstellen/fachstelle-fuer-rassismusbekaempfung-frb/FAQ/wo-finde-ich-statistische-angaben-zu-rassismus-in-der-schweiz-un.html